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Musik | Reisen mk am 18. August 2009 09:43 am

Sziget 2009 Aftermath

Nun ja, Sziget war schon schön. Ein feiner Auftritt von Ska-P (wobei die auch nichts neues gespielt haben); den Toten Hosen hat man angesehen, dass sie Spaß hatten; ich habe beeindruckende Acts wie Haydamaky und Swing Manouche Project kennengelernt; The Prodigy haben eine gute Show geliefert (war sowieso mal Zeit dass ich die live sehe), The Offspring haben vor allem alte Lieder gespielt (was nicht die schlechteste Wahl war) und Fatboy Slim war auch da. Natürlich habe ich auch wieder einige gute Sachen verpasst (Brotherhood of Brass, Tiken Jah Fakoly, Life of Agony), teils wegen Überschneidungen mit anderen Acts (also wenn Squarepusher direkt nach Faith No More spielt ist das für mich natürlich eine Pflichtcombo), teils weil mein Handy sich mitten im August plötzlich dafür entschieden hat, dass jetzt Winterzeit ist und am Wochenende die Uhr einfach umgestellt hat (thanks Nokia!).

Es gab natürlich auch wieder einige Sachen, die ich nicht so toll fand. Wie erwartet ist wieder alles ein gutes Stück teurer geworden, was nicht nur an der kürzlich in Ungarn erhöhten Mehrwertsteuer liegen kann. Es ist mittlerweile so, dass es langsam anfängt zu schmerzen. Bei den Einlasskontrollen werden auch ganz gerne mal Grundnahrungsmittel (auch in Plastikflaschen) aussortiert, weil man die Leute dazu bringen möchte, bei den Supermarktzelten einzukaufen, die die gleichen Waren um ein Vielfaches teurer anbieten. (ich sag nur vier Rollen Klopapier zu 800 HUF). Was es natürlich zu einem beliebten Sport macht, z.B. Gaskartuschen möglichst originell auf die Insel zu schmuggeln. :-)

Außerdem schreitet leider die Ballermannisierung des Festivals fort, es gibt mittlerweile unzählige Tanz-und-Sauf-Ecken, mit dem entsprechenden Publikum inklusive.

Was man aus der Jazzbühne gemacht hat ist eine ziemliche Frechheit. Das nehme ich persönlich. Irgendwie hatte ich bei dem Vorab-PR-Geschwafel zu dieser Bühne ja schon ein mulmiges Gefühl, aber das hat wirklich dem Fass den Boden ausgeschlagen.

Sziget Jazzbühne 2009
Die Sziget-Jazzbühne war 2009 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich geschrumpft und litt auch am eher ungünstig gewählten Standort

Aus einem Zelt wurde das ganze in eine kleine matschige Ecke irgendwo zwischen der World Music Stage und dem Civil Sziget verfrachtet, was bedeutete, dass man immer den Hintergrundlärm dieser Bühnen und auch der Main Stage mitbekam. Für Jazz ist sowas natürlich tödlich. Folgerichtig ist Al di Meola auch nicht hier aufgetreten, sondern ein gutes Stück weiter südlich im Amfiteatrum und hat dort einen sauguten Gig hingelegt.

Zum angekündigten verstärkten kulturellen Angebot kann ich nichts sagen, weil ich es diesmal im Gegensatz zu letztem Jahr kaum wahrgenommen habe. Es gab zwar wieder ein paar Ausstellungen der lokalen Museen und einen Platz zum Thema Ungarische Hochzeiten. Letzteres machte mir aber nicht so den Eindruck, als wollte man wirklich etwas kommunizieren. Die Vorstellung von La Fura dels Baus wiederum fand ich – vom technischen Aufwand und einigen ästhetisch sehr schönen Momenten abgesehen – ziemlich enttäuschend. Da hätte ich mir echt mehr erwartet. Zum Beispiel Handlung. :-)

Obs mir insgesamt gefallen hat? Definitiv ja. Ob ich wieder hinfahren werde? Weiß ich nicht. Das ist vielleicht noch zu früh zu sagen, ich glaube das muss sich jetzt alles erst mal wieder setzen und es muss wieder Gras über die Campingplätze wachsen:

Nun läuft der Abbau der Bühnenanlagen, vor allem aber die Rekultivierung, eigentlich die Rettung der Insel, was eine ganze Armada von Gärtnern beschäftigt. In ca. 2 Wochen werden Spaziergänger ihre Insel eventuell wiedererkennen können.

(via Pester Lloyd vom 17.9.)
Mit fast 390.000 Besuchern verzeichnete das Sziget Festival einen neuen Besucherrekord, wobei mit Abstand die meisten Tickets nach Holland verkauft wurden.

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1 Kommentar zu “Sziget 2009 Aftermath”

  1. am 19. August 2009 um 11:45 1. Molle hat geschrieben:

    Hey! Willkommen zurück aus dem heiß-trockenen Ungarn, wobei, Budapest liegt ja nicht in der transdanubischen Tiefebene, wie der grausig trockene Ort, wo ich neulich war. (szeged) Da schauts schon sehr wüst aus, 20mm Niederschlag erst seit Januar!
    Na freut mich dass es dir (im Fazit) gefallen hat! Aber die Jazzbühne… echt ein witz! Dabei hat Ungarn so gute Jazzer. Ich war ja auch schon mal auf der “Margit”-Insel, aber nicht während dem Festival. Normalerweise ein ganz schöner Park zum flanieren und spazieren. Tja – teuer ist´s geworden in Ungarn, da kann man nur der Zeit von vor ca. 15 Jahren hinterherheulen, paradiesisch günstig war damals Alles. Und heute: 800 Forinten für ne Packung Klopapier?! Das sind fast 3 Euro 50! Eine unverschämte Frechheit, wenn man bedenkt, dass die Jugendlichen in Ungarn eh kaum Geld haben. Wobei auf dem Festival wohl eher kaum einheimisches Jungvolk anwesend war vermute ich mal(?), und wenn dann wohl nur die eher besser Betuchten. Wie ich aus Ungarn gehört habe, wollen die Budapester das Sziget sowieso auftrennen in nur ungarischsprachige Veranstaltungen und dem ganzen Touristenangebot für Ausländer. (ja, Ballermann-kopie eins zu eins, echt) Aber das ist eindeutig die Handschrift der Rechtsextremen, die in Ungarn immer stärker werden. Ich sags doch, eines Tages bauen die ne Mauer um Ungarn auf und dann können die machen was sie wollen. Einfach nur schade, aber was solls, ich will dir nicht den Spaß am Sziget vermiesen, kann ja sein, das es nächstes Jahr wieder anders ausschaut, obwohl die Geschichte andere Wege zu gehen scheint. Hey aber meld dich doch mal dann kannst du mir ja mal ausführlich erzählen, was du als „deutscher Touri“ in Ungarn so alles zu berichten hast, das kann ich dir dann alles schön mies machen. hehe. mol

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