Film | Reisen mk am 13. April 2007 04:25 pm
Ein Tag auf dem HKIFF
Das Hong Kong International Film Festival (HKIFF), das immerhin seit 1977 jährlich stattfindet und dieses Jahr in die 31. Runde ging, war für mich natürlich eine Pflichtveranstaltung. Ich hatte mir den 4.4. ausgesucht, es war sowieso dicht bewölkt und drohte zu regnen.
Und weil mich vom Cinema Tableau her der Nachwuchsfilm besonders interessiert, hatte ich mir zunächst ein Ticket für eine Reihe von Filmen besorgt, die mit “Hong Kong Baptist University Selection” übertitelt waren. Richtig überzeugt hat mich von den Filmen allerdings nur einer: Wong Tsz Ching in Search for Wong Tsz Ching ( 黃梓澄尋黃梓澄 ), dessen Regisseur als Hong-Kong-Re-Immigrant aus Kanada im Stil einer Dokumentation Identität anhand seines Namens (der anscheinend ungewöhnlich ist - ich kann das als Nicht-Sinologe nicht beurteilen) thematisiert und einige Aspekte herausgreift (Wortlaut des Namens, einen Teil des Lebenslaufes, Person aus Eigen- und Fremdsicht). Er geht dabei auch auf die Suche nach Personen, die den selben Namen tragen, und wird sogar fündig.
Erwähnenswert ist auch die erste Episode der im Anschluss gezeigten Sammlung “Tickets”, Uptown-Downtown ( 上城下城, Regie: Hung Kwong Yin Brian, Ka Ho Yue ), die eine fiktive Introspektive eines Spanisch sprechenden Taschendiebes in der New York Subway zeigt, der im Anschluss eines jeden Diebstahls aus Interesse die Geldbörsen seiner “Arbeitgeber” studiert. Als er an den Personalausweis einer jungen Japanerin gelangt, überlegt er sich, wie es wäre, wenn er sie kennenlernen würde.
Das HKIFF ist über mehrere Veranstaltungsorte verteilt. So bin ich denn später noch nach Kwai Fong gefahren und habe mir ein Ensemble Animationsfilme angesehen, die alle wirklich gut waren:
Jeu von Georges Schwizgebel (4 min): Ein Farbenspiel ohne Handlung mit schrillbunten, schnellen, ineinander überfließenden Szenen, die wieder mal so ein M.C.Escher-Feeling aufkommen lassen.
Phantom Canyon von Stacey Steers (10 min): ein Schwarzweiß-Animationsfilm im 1900-Buchdruck-Stil, ein freudscher Albtraum weiblicher Sexualität, Ironie inbegriffen.
Golden Age von Aaron Augenblick (26 min) … ziemlich cooler Name für einen Vertreter visueller Kunst… : Fiktive Retrospektive und Persiflage auf japanische und v.a. US-amerikanische Comic- und Cartoonhelden, die Film-, Werbe- und Merchandiseindustrie; so treffend, dass es weh tut. Ausschnitte aus dem Film Golden Age kann man auf der Website des Studios ansehen.
My Love ( Моя любовь ) von Aleksandr Petrov / Pascal Blais Studio (26 min): Ich hatte vorher noch nie einen Film von Petrov gesehen und kann daher keinen Vergleich zu früheren Arbeiten ziehen; ich weiß aber, dass Petrov für seine Filme Ölfarben auf Glasuntergrund verwendet, so auch hier. Dieser Film und diese aufwändige Technik haben mich ehrlich tief beeindruckt. Inhaltlich geht es um einen Jugendlichen im Gefühlschaos zwischen zwei Frauen, zwischen Poesie, Phantasie und Fiebertraum, und Petrov vermag dies mit seiner Maltechnik wirklich brillant umzusetzen.
Bendito Machine von Jossie Malis / Zumbakamera (10 min): Ein in Flash umgesetzter, witziger, ideenreicher Film im Scherenschnitt-Stil ( Link zum Film Bendito Machine auf der Website von Zumbakamera ) zum Verhältnis von Mensch und Maschine.