Mal ehrlich, Arial, Verdana und Times New Roman sind mittlerweile so ausgelutscht, dass ich sie nicht mehr sehen kann. Ich würde auch wirklich gerne mal diesen Blog neu gestalten (ich verwende derzeit noch ein frei verwendbares Wordpress-Theme) und dann auch ein wenig mehr mit Typographie spielen. Trotzdem ist es für einen Webdesigner irre schwierig, die ausgetrampelten Pfade zu verlassen, weil viele schöne Schriften im Browser einfach furchtbar aussehen. Das liegt an den Methoden für Schriftenglättung, die das jeweilige Betriebssystem verwendet, teilweise auch am Browser selbst, oder an der gewünschten Schriftgröße, wo sich dann einmal mehr die Unterschiede von Print und Web offenbaren – kurzum: will man sich Ärger ersparen, verwendet man oft eben kurzerhand Arial/Verdana/Helvetica (wobei letztere auch gern Probleme macht) oder halt die Times New Roman. Jenseits davon wirds dann echt dünn, weil man bei Text im Web voraussetzen muss, dass der Besucher der Seite diese Schrift auch bei sich installiert hat.
Es gibt ja technisch durchaus Möglichkeiten, das Problem zu umschiffen. Bei Überschriften bietet es sich an, einen TrueType-Font auf dem Server zu hinterlegen und dann mit einem Script in PHP oder der Sprache der Wahl daraus ein Bild zu generieren, sieht wunderbar aus.
Viele Browser unterstützen mittlerweile auch CSS3 – in Teilen. Damit ist eine weitere Möglichkeit gegeben, einen TrueType-Font (bzw. .eot beim Internet Explorer) auf dem Server zu hinterlegen und einfach per CSS einzubinden, falls er nicht auf dem Rechner des Besuchers vorhanden ist. Tolle Sache.
Unzureichende Lizenzmodelle
Leider hat das Ganze nur einen Haken. Das passt so gar nicht in die üblichen Lizenzmodelle für Schriften. Oft liest man solche antik anmutenden Sätze wie “This license is valid for up to 5 CPUs” (Kollege Bernd wirft ein, dass allein sein Mac Mini schon 2 Prozessorkerne hat). D.h. man darf zwar Werke veröffentlichen, die mit einer nicht-freien Schrift erstellt wurden, aber in der Regel nicht den Schriftfont selbst weiter verbreiten. Genau das ist aber faktisch der Fall, wenn man ein TTF in eine Website einbindet – weil man sie ja von dort theoretisch direkt herunterladen könnte, wenn man weiß wo man suchen muss. Ein solches Lizenzmodell ist das Aus für die Verwendung der meisten Schriften im Web. Auf Nachfrage nach einer wie oben beschriebenen Verwendung im Web, die durch ein solches Modell eindeutig nicht gedeckt ist, schweigen sich Schriftenhäuser aber gerne aus.
Ein weiteres Lizenzmodell richtet sich nach der Menge des Traffic auf der Website. Das ist im Prinzip auch ein wie ich finde logischer und fairer Ansatz, nur leider auch etwas kompliziert und vielen Endkunden auch schwer vermittelbar. Ich bezweifle daher, dass sich das auf Dauer durchsetzt.
Es muss doch Alternativen geben
Und genau hier setzen Initiativen wie “The League of Movable Type” an. Ziel ist es, Schriften zu sammeln und bereitzustellen, die einerseits wirklich frei im Web verwendbar sind und bei denen man andererseits aber nicht sofort das Kotzen bekommt – viele Gratisschriften sind einfach nicht gut.
Das Projekt ist noch recht jung, aber was ich bislang gesehen habe, überzeugt mich. Also gleich den Feed abonniert.
Für Typographen ist so was auch eine Werbemöglichkeit – man muss ja nicht alles gratis hergeben, aber für einen Schnitt einer sexy Schriftart wären viele Webdesigner echt dankbar. Und das könnte ja wiederum ein Markt sein. Für Qualität zahlt man ja auch gerne.
Ich nenne diese Initiative mal als Beispiel. Es ist auch nicht so, dass das Thema von allen Schriftenanbietern ignoriert wird, einige wagen da durchaus Neues. Beispiel FontShop im Juni 2009:
Neu: Seit heute gilt die liberale Web-Embedding-Lizenz für Axel, zum Beispiel für die Benutzung mit dem CSS-Befehl @font-face, auch rückwirkend für bereits gekaufte Axel-Fonts. Demnächst mehr dazu.
Wo gibt es brauchbare Webschriften?
Ich würde hier gerne ähnliche Quellen wie “The League of Movable Type” sammeln und als Liste zusammenfassen. Beiträge willkommen!
Vielleicht lässt sich so ja auch endlich mal die Comic Sans ausrotten.
